Herz-Jesu-Kirche

Die Herz-Jesu-Kirche gehört zum Kirchort Herz Jesu.

Adresse: Wolbecker Straße 121, 48155 Münster
Bushaltestelle: Liboristraße (Linien 11 und 22)

Zwischen 1895 und 1900 wurde die Herz-Jesu-Kirche an der Wolbecker Straße auf dem Gebiet des Kirchspiels St. Mauritz errichtet, außerhalb des damaligen Stadtgebietes von Münster, in einem nur dünn besiedeltem Gebiet. Eine seit ca. 1880 wachsende Siedlung vor allem südlich der Wolbecker Straße (auf dem Gebiet des Außenkirchspiels St. Lamberti) und besonders die Lebensumstände der Bewohner hatten die Aufmerksamtkeit des Pfarrers von St. Mauritz, Ewald Bierbaum, hervorgerufen. Es war ihm ein großes Anliegen, den Menschen die Gnade und Liebe des Herzens Jesu zu vermitteln und er setzte sich mit großer Energie für den Kirchenbau ein. Er kaufte einen Bauplatz, auf dem die Kirche keine Ausrichtung wie üblich nach Osten finden konnte, sondern nur nach Norden, damit war sie nach Süden auf das kleine Viertel jenseits der Wolbecker Straße ausgerichtet.

Als Architekt konnte Wilhelm Rincklake gewonnen werden; er entwarf eine stattliche dreischiffige neugotische Basilika aus Baumberger Sandstein in Form eines lateinischen Kreuzes, bei dem das Querhaus die Seitenschiffe nur wenig überragt. Der vorangestellte quadratische Südturm ist der höchste Kirchturm in Münster. Rincklake trat kurz nach Beginn der Bauarbeiten 1896 in das Kloster Maria Laach ein (1901 zum Priester geweiht). Zwischen 1892/98 erbaute er die Wallfahrtskirche St. Ludgerus in Billerbeck - die Herz-Jesu-Kirche ist nicht nur in Grund- und Aufriss in Anlehnung an diese Kirche gestaltet worden (wenn auch im Einzelnen einfacher), so schuf der Steinhauer Wilhelm Bolte sowohl das Altarbild vom Sterben des hl. Lugerus in Billerbeck wie auch das Altarbild vom Sterben des hl. Joseph in der Herz-Jesu-Kirche. Die Größe des Baus (61 Meter Länge, 22 Meter Breite, 24 Meter Höhe - Seitenschiffe 11 Meter) ) und die Höhe des Turms (96,63 Meter) sind wohl auch im Zusammenhang mit den Auswirkungen des Kulturkampfes zu sehen, der in Münster besonders heftig verlaufen war.  Außen am Turm sind ist Jesus, umgeben von Maria und Josef nach Süden auf die Siedlung ausgerichtet, nach Westen Richtung Stadt schauen Bonifatius, der Apostel der Deutschen, und Ludgerus, der Patron des Bistums Münster, und nach Osten Lambertus und Mauritius als Patrone der beiden Mutterpfarren, aus denen die Herz-Jesu-Gemeinde abgepfarrt wurde.

Die Konsekrierung fand am Fest des Heiligsten Herzens Jesu statt, am 22. Juni 1900; die Weihe vollzog Bischof Hermann Dingelstad. Die Kirche ist die erste dem Herzen Jesu geweihte Kirche im westfälischen Teil des Bistums Münster; ein Jahr zuvor hatte Papst Leo XIII. am 11. Juni 1899 die ganze Welt dem Herzen Jesu geweiht - Höhepunkt der seit dem 17. Jahrhundert (Visionen der Margareta Maria Alacoque) immer stärker werdenden Herz-Jesu-Verehrung (s.a. Maria zu Droste-Vischering). 

Druckwellen von Bombenabwürfen in der Nachbarschaft brachten 1942 das Gewölbe des Hochchors zum Einsturz, der den neugotischen Hochaltar im Chor unter sich begrub; im Verlauf des Zweiten Weltkriegs folgten weitere Schäden am Gewölbe und den Verlust aller Fenster, die im Langhaus die acht Seligpreisungen zum Inhalt hatten (1900 Fa. Derix, Kevelaer). Die Sakristei mit ihren handgeschnitzten Paramentenschränken (datiert auf 1898) hat den Krieg unbeschadet überstanden, ebenso einige Seitenaltäre und der Taufstein. Um weiterhin Gottesdienst feiern zu können, wurde 1946 eine Notkirche westlich der Kirche im damaligen Pfarrgarten errichtet, das heutige Pfarrer-Eltrop-Heim. 1951 waren die notwendigsten Reparaturarbeiten am Bau abgeschlossen: am 29. Juli weihte sie Weihbischof Gleumes ein. Die nächsten 20 Jahre galten zunächst fast ausschließlich der Turmsanierung (1965/67 Abbruch der vier 7 Meter hohen Ecktürmchen) und den Seitenschiffdächern, schließlich auch den Fenstern (Maßwerkerneuerung, neue Verglasung).

1963 waren 29 Kirchenfenster erneuert. Nach dem II. Vatikanischen Konzil begann in den Jahren 1970/71 die Umgestaltung: Der Hochaltar wurde entfernt, die Altarinsel entstand. 1973 wurde die Werktagskirche mit eigenem Altar im Chor der Kirche eingerichtet.

Seither sind zahlreiche kleinere Umbauten und Ergänzungen im Kunstbesitz (u. a. Triumphkreuz, Tabernakel, Evangelistenfiguren) sowie die Anschaffung einer Chororgel vorgenommen worden, um den Kirchenraum würdig und zeitgemäß zu gestalten. Zum 100-jährigen Bestehen der Herz-Jesu-Kirche wurde eine Innensanierung durchgeführt, durch dezente Farbigkeit hervorhebt. Auch die Orgel (von 1954) wurde dabei gründlich saniert.

Im Turm hängen sechs Glocken, die die Gemeinde 1948 kaufte: Sie hatten beim Bochumer Katholikentag geläutet. Die eigenen Glocken hatten jeweils in den Weltkriegen zur Waffenproduktion abgegeben werden müssen.

Copyright Fotos 1,2,3,4: Roman Kensington, artdoc.de

Copyright Fotos 5,6,7: Annette Kubina

Bilder Galerie: 

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